SZ-Wahlforum auf dem Laupheimer Marktplatz - 20.5.19

Top-Themen sind das Rathaus, die Teilorte und der Verkehr

Rede und Antwort auf dem Podium: SZ-Lokalchef Roland Ray befragt hier die Gruppe der "alten Hasen" mit (v.l.) Karin Meyer-Barthold, Irene Schwendt, Burkhard Volkholz und Iris Godel-Ruepp. Foto: Axel Pries

Gemeinderatskandidaten geben deutliche und kontroverse Antworten

Von Axel Pries

Laupheim - Fünf Gesprächsrunden mit jeweils vier Kandidaten: Das bedeutet unzählige Erklärungen zu praktisch allen Themen der Stadt - und viele kontroverse, zum Teil überraschende Meinungen fürs Publikum. So lässt sich das Wahlforum zusammenfassen, das die SZ am Samstag in Laupheim auf dem Marktplatz veranstaltet hat. In ganz ungezwungenem Rahmen konnten Laupheimer lauschen, was denn nach der anstehenden Kommunalwahl auf sie zukommen kann.

Wer am Samstag auf dem Wochenmarkt gerade die frischen Blumen einpackte, bekam vielleicht über den Platz schallende Gesprächsfetzen mit, in denen es um das Rathaus, die Verkehrssituation, die Teilorte, Wohnungsbau oder Jugendliche in der Stadt ging - oder auch um das Selbstverständnis der aktuellen und vielleicht angehenden Gemeinderäte. Etliche Besucher nahmen sich dann die Zeit, um dem Podium zu lauschen, das die SZ vor dem Rathaus veranstaltet hat: Ganz unterschiedliche Vertreter aller vier für den Gemeinderat kandidierenden Listen standen SZ-Lokalchef Roland Ray über drei Stunden Rede und Antwort - sortiert nach Erfahrung im Gemeinderat und Position in ihren jeweiligen Lagern.

„Alte Hasen“ berichten

So berichteten „alte Hasen“ wie Karin Meyer-Barthold von den Freien Wählern, Burkhard Volkholz von der CDU, die Bihlafinger SPD-Ortschaftsrätin Irene Schwendt und Iris Godel-Ruepp von der Offenen Liste von ihren Erfahrungen mit dem Ehrenamt, das „eine Arbeit mit Suchtfaktor“ sei, wie Meyer-Barthold feststellte, die auch als Stellvertreterin von Oberbürgermeister Gerold Rechle fungiert. Es sei aber auch ein Amt, das mit 20 Stunden Arbeit die Woche ausfüllen kann, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Volkholz.

Die Knackpunkte dieser vier Kandidaten, die es zusammen auf bald 100 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik bringen, drehten sich nicht überraschend, aber mit deutlichen Worten um klassische Laupheimer Themen. So kritisierte Irene Schwendt, als es um die Einbindung der Dörfer und die Infrastruktur ging: „Wir fühlen uns in den Teilorten benachteiligt.“ Sie erhielt mit ihrer Kritik später auch noch Schützenhilfe von Dorothee Fischer, Offene Liste, aus Obersulmetingen, die bemängelte, dass die Teilorte mit ihrem 28-prozentigen Anteil an der Laupheimer Bevölkerung politisch unterrepräsentiert seien: „Wir haben im Gemeinderat zu wenig Mitspracherecht.“

„Zehn Millionen reichen nicht“

Deutliche Worte fand auch Burkhard Volkholz, als es um das Rathaus ging - „das Topthema der nächsten fünf bis zehn Jahre“ So sei er tendenziell für einen Abriss, was ihm Szenenapplaus vom Publikum einbrachte, aber glaube nicht, dass ein Neubau für zehn Millionen Euro zu haben sei. Eher für 20 Millionen. Bei der Frage Sanierung oder Abriss zeigten die Politikvertreter sich gespalten: Auch Iris Godel-Ruepp tendiert zu einem Neubau, Meyer-Barthold und Schwendt wollen abwarten. In der Gesprächsrunde mit Erstbewerbern für den Gemeinderat kritisierte die CDU-Frau Susanne Müller später dazu generell, dass „es an allen Ecken klemmt“, und sich speziell beim Rathaus endlich etwas tun sollte: „Für mich ist das ein totaler Entscheidungsstau!“

Wie ein roter Faden durchzog auch die Laupheimer Verkehrspolitik alle Debatten der Veranstaltung. Darüber, dass sich etwas tun muss, herrschte Einigkeit, wobei Michael Held als einer der Erstbewerber auf der FW-Liste deutliche Worte für die Dringlichkeit fand: „Wir können nicht die ganze Zeit nur schwätzen. Wir müssen auch Fakten schaffen.“

Als sehr kontrovers stellte sich das Thema Jugendarbeit heraus - und zwar einmal mehr im Zusammenhang auch mit dem Vandalismus in der Stadt. Während die Gesprächsteilnehmer quer durch alle Listen und Altersgruppen das Angebot der Vereine und das ehrenamtliche Engagement lobten, wurde die städtische Jugendarbeit unterschiedlich bewertet - und dabei auch als unzureichend kritisiert. So konstatierte Spyros Rantos (CDU): „Das Angebot ist grundsätzlich da. Wir müssen die Jugend dazu bringen, es auch zu nutzen.“ Robert Kreklau (SPD) dagegen meinte, dass die Jugendlichen besser eingebunden werden müssten und die Ortsteile Geld bekommen sollten, um Jugendlichen eigene Aktivitäten zu ermöglichen. Patrick Hannes, der für die CDU als ein „Jüngster“ auf dem Podium stand, kritisierte deutlich, Jugendlichen fehlten Plätze, sie würden überall vertrieben, und eine Alternative gebe es kaum: „Das Juze hat einmal im Monat, vielleicht auch nur alle Schaltjahre mal offen.“ Er setzte sich klar für ein Jugendparlament ein, das Jugendliche eine Stimme geben sollte - wobei die Kandidaten sich vom Prinzip her offen für jugendliche Mitbestimmung zeigten.

Einige der Marktbesucher, die dem Podium lauschten, nutzten die Gelegenheit, um Fragen an die Kandidaten zu stellen, und äußerten Anliegen aus der persönlichen Sicht. Etwa eine junge Frau, die wissen wollte, warum es so langte dauert, bis die Toiletten in der Realschule saniert werden - die sie gerade verlassen hatte. Die Finanzierung sei gesichert, bekam sie als Antwort von Iris Godel-Ruepp, „aber es braucht jemanden, der das umsetzt“. Und so etwas brauche halt Zeit. „Wir haben auch lange genug gewartet“, stellte die Jugendliche fest. Eine andere junge Frau wollte wissen, ob die Krähen auch künftig vergrämt werden - vielleicht sogar ganz aus Laupheim. Das sei nicht so einfach, entgegnete Burkhard Volkholz. Wenn sie noch weiter hinaus getrieben werden, könnten sie einfach in den Park zurückkehren. Aber er konnte beruhigen: Es werde auch künftig Geld geben, die Vergrämung fortzusetzen.

Wunsch nach Barrierefreiheit

Wer sich im Gemeinderat denn speziell auch für Menschen mit Behinderung einsetzen werde, wollteKarl-Heinz Schmidt wissen, der früher als Betroffenheitsvertreter im Kreis tätig war. „Es gibt schon einen Ansatz“, antwortete ihm Clemens Graf Leutrum (CDU), aber es brauche ein Gesamtkonzept - und diese Unterstützung sei auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Inklusion sei sehr wichtig, stimmte Martina Miller (SPD) zu, „aber stößt auch an Grenzen.“ Treffpunkte in Laupheim zu schaffen, sei wichtig, es gelte, für Barrierefreiheit zu sorgen, auch in der Bildung. Zur Barrierefreiheit hatte Karl-Heinz Schmidt eine kritische Anmerkung mitgeschickt: Die Rollstuhl-Rampe am Rathaus ist zwar eine Rampe, die die Treppe überbrückt - aber mit dem steilen Winkel für Rollstuhlfahrer doch eine große Barriere.

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Ausgabe Laupheim vom 20.5.2019

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