Freie Wähler und Offene Liste strahlen - 28.5.19

SPD der Verlierer bei Laupheimer Gemeinderatswahl - Auch CDU bleibt nicht ungeschoren

Von Roland Ray und Kai Schlichtermann

Laupheim - Die Schlacht ist fast geschlagen, Laupheim hat einen voraussichtlichen neuen Gemeinderat. Am Montagabend um 21.48 Uhr wurde die weitere Auszählung der Wählerstimmen vertagt, so dass es nur ein vorläufiges Ergebnis gab. Mit diesem können Freie Wähler und Offene Liste problemlos leben, sie gehen gestärkt aus der Kommunalwahl 2019 hervor. Bei der CDU lächelten sie süßsauer, den Sozialdemokraten ist das Lachen vergangen.

Freie Wähler: Der Vorsprung ist weiter gewachsen

Gute Laune bei den Freien Wählern: So wie es aussieht, haben sie ihre zehn Sitze im Gemeinderat behauptet und bleiben stärkste Fraktion. Der Stimmenvorsprung vor der Konkurrenz ist weiter angewachsen. „Wir wollten den Abstand halten, hatten Bedenken, ob das klappt“, sagt am Montagabend der Fraktionsvorsitzende Erwin Graf. „Jetzt steht fest: Wir haben unsere Position sogar ausbauen können.“

Das ist Balsam für Grafs Seele, denn eine bittere Pille muss er schlucken: Dem künftigen Biberacher Kreistag gehört er nicht mehr an. OB Gerold Rechle und Peter Fritzenschaft aus Bihlafingen haben für die Freien Wähler im Wahlkreis Stadt Laupheim das Rennen gemacht.

SPD: Der Fraktionsstatus geht wohl verloren

Martina Miller, sprichwörtliches Urgestein der Laupheimer SPD, hockt auf der Treppe im Rathausfoyer und mag ihren Fahrradhelm gar nicht abnehmen - als ob er sie auch vor diesem Wahlergebnis schützen könnte. „Ich bin mehr als enttäuscht“, sagt sie. Zwei Sitze hat die SPD im Biberacher Kreistag eingebüßt und ein Mandat im Laupheimer Gemeinderat. Letzteres schmerzt besonders, weil die SPD in diesem Gremium künftig nur noch zwei Ratsmitglieder stellt und damit den Fraktionsstatus verliert. An diesem hängt unter anderem der Sitz im Ältestenrat. Die SPD weiß, wie sich das anfühlt: Sie hat den Status bereits vor Wochen verloren, als Irmgard Maier im Streit die Fraktion verließ. „Das macht es schwieriger“, weiß Miller, die heftig mit dem Wahlausgang hadert. Auf Kreis- wie auf Gemeindeebene habe die SPD Umweltthemen vorangetrieben, „doch wir sind in keinster Weise belohnt worden“. Stattdessen würden die Wähler Umweltkompetenz überwiegend den Grünen zuschreiben.

Schauen, was die Wahl-App weiß: Rita Stetter, Burkhard Volkholz und Clemens Graf Leutrum (CDU) fahnden nach Ergebnissen. Foto: Roland Ray

CDU: „Mit einem blauen Auge davon gekommen“

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, resümiert der CDU-Fraktionschef Burkhard Volkholz. Acht Sitze winken ihm und seinen Mitstreitern im neuen Gemeinderat; das ist wieder einer weniger, wie schon bei der Wahl 2014. „Wir hatten uns zehn Sitze erhofft“, räumt Volkholz ein. „Jetzt sind wir froh, dass wir weiter die zweitstärkste politische Kraft im Gremium sind.“ Der Stimmenvorsprung vor der Offenen Liste ist am Montagabend in der Tat nicht mehr groß.

Woran es liegt? „Der Gegenwind, den die CDU momentan insgesamt spürt, hat uns sicher einige Stimmen gekostet“, vermutet Volkholz. Ausgewirkt habe sich zudem, dass mit Franz Romer und Christian Striebel zwei Räte aufgehört haben, die für Tausende Stimmen gut waren. Zwei bisherige CDU-Stadträte haben es nach Lage der Dinge nicht in den neuen Gemeinderat geschafft: Achim Schick - „unser Spezialist für ökologische und landwirtschaftliche Themen“ - muss seinem Baustetter Listenkollegen Roland Pecha den Vortritt lassen, Bihlafingens Ortsvorsteherin Rita Stetter dem dortigen Ortschaftsrat Peter Fritzenschaft von den Freien Wählern. Beide indessen, Stetter und Fritzenschaft, haben den Einzug in den Biberacher Kreistag geschafft. Macht in Bihlafingen ein Kreistagsmitglied je 430 Einwohner - eine fürwahr sensationelle Quote.

Offene Liste: Rückenwind mit einem Mandat mehr

Strahlende Gesichter bei den Mitgliedern der Offenen Liste am Montagabend. Als einzige politische Kraft wird sie künftig ein Mandat mehr haben und damit sieben Gemeinderatsmitglieder stellen. Anja Reinalter, Fraktionsvorsitzende der Offenen Liste, sitzt am Montagabend mit ihren Mitstreitern im Café gegenüber dem Laupheimer Rathaus und sagt: „Der Wahlkampf hat Spaß gemacht, wir waren eine super Truppe. Trotzdem ist es schade, dass wir keinen achten Sitz gewonnen haben.“ Der große Gewinner der Kommunalwahl sei jedoch die Demokratie gewesen, denn die AfD sei nicht angetreten und die Wahlbeteiligung hoch.

Was die kommende Wahlperiode betrifft, so wünscht Reinalter sich eine konsequentere Politik für Laup-heim. „Unsere Stadt ist in den vergangenen Jahren zu schnell gewachsen, nur um Große Kreisstadt zu werden. Aber die Infrastruktur wächst nicht mit.“ Nun müssten auf den Themenfeldern Verkehr, Bildung und auch Wasser schnellere und transparentere Entscheidungen im Gemeinderat und in der Verwaltung fallen. „Wir haben klare und unbequeme Positionen im Wahlkampf bezogen“, sagt Reinalter. Das hätten die Wähler honoriert. Bettina Hempfer-Rost, amtierende Stadträtin der Offenen Liste, hat ebenfalls ihren Sitz verteidigt. Sie ist froh, dass ihre Partei mit zahlreichen Frauen kandidiert habe und damit die politische Kultur im Gemeinderat verändere.

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Ausgabe Laupheim vom 28.5.2019

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