Große Kreisstadt LAUPHEIM

Wo Wandel überfordert, staut sich die Wut - 15.11.18

Gut besuchte Podiumsdiskussion der Frauenunion zum Thema Werteverfall

Diskutierten über Wertewandel und Werteverfall: (v.l.) Manuel Hagel, Pfarrer Gerhard Neudecker, Peter Bausenhart, Jan Stefan Roell. Foto: Angelika Gretzinger

Von Angelika Gretzinger

Laupheim - Zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Werteverfall hat die Frauenunion im Kreis Biberach am Dienstag nach Laupheim in den Gasthof "Schützen" eingeladen. Manuel Hagel, Generalsekretär der CDU und Landtagsabgeordneter, Pfarrer Gerhard Neudecker, Leiter des Katholischen Büros Stuttgart, und Jan Stefan Roell, Vorstandsvorsitzender der Zwick Roell AG und Präsident der IHK Ulm, sprachen unter der Moderation von Peter Bausenhart über die Bedeutung der Werte im Allgemeinen und eines möglichen Wertewandels für Deutschland. An die 100 Zuhörer waren der Einladung gefolgt, darunter Vertreter aus Politik und Wirtschaft, aber auch Schüler der Nachhaltigkeits-AG des Carl-Laemmle-Gymnasiums.

"Vor vier Jahren hätte hier ein kleiner Tisch ausgereicht", war sich der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Siegfried Schneider sicher. Jetzt hätten sich jedoch Ängste bei den Bürgern entwickelt. Der Tagungssaal im "Schützen" war jedenfalls deutlich zu klein für das große Interesse an dieser Podiumsdiskussion. "Werteverfall - unaufhaltsam?!" lautete der Titel. Ganz bewusst solle dieser ein wenig provokativ sein, erläuterte Isolde Weggen, Kreisvorsitzende der Frauenunion.

Gleich zu Beginn sprach sich Pfarrer Neudecker dafür aus, eher von einem Wertewandel als von einem Werteverfall zu reden. "Jede Zeit hat ihre Leitwerte", gab er zu bedenken. Jedoch verkrafte jeder Mensch in seiner Biografie nur einen gewissen Grad an Wertewandel. Wo Wandel zu Überforderung führe, staue sich Wut auf. Eine Diskussion über Werte sei immer stark emotional. Ein Konsens müsse gefunden werden, wie man Diskursebenen erreichen könne.

Nach den Grundwerten in der Wirtschaft und deren Verfall befragt, gab Jan Stefan Roell eine klare Antwort. Er erlebe keinen Werteverfall. Offenheit und Leidenschaft seien die wichtigsten Grundlagen der Wirtschaft. "Offen für den anderen Menschen sein, mit offenen Augen durch die Welt gehen und Wissen austauschen. Der, der das am meisten tut, ist der unverzichtbarste Mitarbeiter", verdeutlichte er seinen Standpunkt.

Manuel Hagel sprach für den Bereich der Politik von einer Vertrauenskrise der Institutionen. Eine Politikverdrossenheit könne er gerade auch bei Schülern nicht feststellen. Jedem einzelnen Menschen müssten Identität und Würde gegeben werden. "Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Wertediskussionen sind gut und wichtig", stellte er die Notwendigkeit eines festen Wertefundaments, wie es die CDU habe, fest. Die für ihn wichtigsten Werte seien dabei Achtsamkeit, Klarheit, Verbindlichkeit und Freude an der Gesellschaft.

Deutliche Kritik richteten alle drei Teilnehmer an die Medien. "Das Wort Lügenpresse will ich nicht in den Mund nehmen, aber ein vorsichtiger Umgang ist nötig", sagte Roell. Hagel stimmte ihm zu und sprach von einem Verlust der Bruchlinie zwischen Nachricht und Kommentar. "Fake News gibt es, seit es Menschen gibt", gab jedoch Pfarrer Neudecker zu bedenken.

Manuel Hagel hob aber gleichzeitig auch die positiven Entwicklungen der letzten Jahre hervor. Die junge Generation habe ein klares Wertegerüst. Längst verloren geglaubte Werte würden wieder in den Vordergrund treten. Familie und Freunde seien für die heutige Jugend sehr wichtig. "Wir haben eine sehr wertebewusste Jugend. Alles immer tot und schlecht zu reden ist falsch", war seine Meinung. Und: "Wir leben im größten Wohlstand und im besten Deutschland aller Zeiten. Wenn wir uns unserer Wurzeln bewusst sind, liegt die beste Zeit noch vor uns."

Auffällig an diesem Abend war das zwar große Interesse an der Podiumsdiskussion, jedoch kamen von Seiten des Publikums nur wenige Fragen an die Gäste auf dem Podium auf. Diese wiederum nutzten ihre Redezeit ganz bewusst und ausführlich.

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Ausgabe Laupheim vom 15.11.2018