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Homo-Ehe: Viele Vorteile offenbaren sich - 23.7.15

Viele Vorurteile offenbaren sich

Bei Diskussionsrunde zum Thema „Homo-Ehe“ prallen Meinungen hart aufeinander

Laupheim sz Über die „Homo-Ehe“ hat der CDU-Stadtverband im Kolpinghaus diskutiert. „Homo-Ehe - Wohin steuert die Gesellschaft?“ lautete die Frage des Abends. Dabei prallten die Meinungen der Podiums-Teilnehmer und Besucher teilweise hart aufeinander. Bei der Klarstellung halfen homosexuelle Personen, denn die Heteros blieben an diesem Abend nicht unter sich.

Und das war gut so, möchte man in Anlehnung an die bekannten Worte des ehemaligen Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit sagen, mit denen er seine Homosexualität der Öffentlichkeit bekanntgab. Das war vor allem deshalb gut, weil sich doch eine Menge Vorurteile, aber auch schlicht mangelnde Kenntnisse im Saal der Kolpingfamilie offenbarten.

Es war auch gut, dass das Publikum einer geballten Kraft an Fachkompetenz gegenübersaß. Da war Rainer Ganser, Standesbeamter der Stadt Laupheim. In einer ersten Stellungnahme machte er deutlich, dass eingetragene Lebenspartnerschaften für ihn keine Besonderheiten mehr darstellten. Die stellvertretende CDU-Landtagspräsidentin Christa Vosschulte räumte zu Beginn ein, dass sie die Thematik nicht so besonders interessierte, erwies sich dann aber als gut informiert. Verärgert sei sie, weil in der Berichterstattung der Medien nicht genau differenziert werde. „Die rechtliche Gleichstellung haben wir schon“, stellte sie klar.

Ähnlich äußerte sich der Fachanwalt für Familienrecht, Klaus Habrik. Er sei überrascht über das Thema des Abends: „Wir haben doch alles geregelt.“ Lediglich der Begriff „Ehe“ könne aus verfassungsrechtlichen Gründen bei homosexuellen Paaren nicht angewandt werden. Auch bei der Adoption gebe es klare Unterschiede, weil diese heterosexuellen Paaren vorbehalten sei.

Aus Trier angereist war Daniel Braun. Er ist Diözesanleiter der Katholischen Jungen Gemeinde im Diözesanverband Trier. Braun bekennt sich zu seiner Homosexualität und er wünscht sich den Begriff „Ehe“ anstelle von Lebenspartnerschaften bei homosexuellen Paaren. Mit viel Geschick und ergänzenden Informationen leitete der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Christoph Burandt, die Diskussion und sorgte dafür, dass die Wogen geglättet wurden. Denn das Publikum erwies sich als sehr diskussionsfreudig.

„Man muss nicht alles haben“
Die Frage der Adoption und der Auswirkung von Homosexualität auf Kinder in einer Lebenspartnerschaft standen im Zentrum der Debatte. Etliche Diskussionsteilnehmer warnten vor den Auswirkungen auf Entwicklung von Kindern aus gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Daniel Braun weiß von keinen gravierenden negativen Folgeerscheinungen. Er hat festgestellt, dass nur ein verschwindend geringer Teil der homosexuellen Männer eine Adoption wünschen. Dies wurde auch von den Podiumsteilnehmern einhellig abgelehnt, insbesondere die sich entwickelnde Leihmutterschaft in armen Ländern. Dass die Kinder darunter leiden, wenn sie ihre leiblichen Eltern nicht kennen, davon ist die CDU-Abgeordnete Christa Vosschulte überzeugt. „Man muss nicht alles haben“, äußerte eine Diskussionsteilnehmerin.

Genervt zeigten sich Diskussionsteilnehmer über das öffentlich Outing prominenter Zeitgenossen und die breite Darstellung in den Medien. Ihm habe genau das geholfen, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen, erwiderte hingegen Daniel Braun. Standesbeamter Rainer Ganser sieht noch weit verbreitet Ängste vor Lebenspartnerschaften. „Diese Ängste will ich nehmen“, sagte er. Wie sehr die Gesellschaft in den letzten 15 Jahren toleranter geworden ist, das zeigte Christoph Burandt anhand einer Umfrage. Demnach hat sich der Anteil derer, die eine „völlige Gleichstellung“ fordern, verdoppelt. Er forderte zum Schluss auf zu Toleranz gegenüber homosexuellen Paaren.

In einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Homo-Ehe – Wohin steuert die Gesellschaft?“ debattierten (v. l.) Rainer Ganser, Christa Vosschulte, Christoph Burandt und Daniel Braun. Auch das Publikum wurde einbezogen. Foto: Franz Liesch

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Ausgabe Laupheim vom 23.07.2015