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Das prickenlnde Gefühl des Sieges - 27.5.14

Stimmen zur Gemeinderatswahl in Laupheim - Die OL erhält Lob auch von der Konkurrenz

Von Roland Ray

LAUPHEIM - Die Schlacht ist geschlagen. Laupheim hat einen neuen Gemeinderat, der sich am 30. Juni konstituieren soll. Nach Bekanntwerden des vorläufigen Ergebnisses waren die Mitglieder der Offenen Liste in Feierlaune, Andere mehr oder weniger zufrieden.

Als alle 146 754 gültigen Stimmen ausgezählt sind und das Warten ein Ende hat, fischt Anja Reinalter zwei Flaschen Prosecco aus dem Waserbassin im Rathausfoyer. Leute, jetzt wird angestoßen! Sechs Sitze hat die Offene Liste erobert, ihr Ergebnis von 2009 glatt verdoppelt - wenn das kein Grund zum Feiern ist. "Wir hätten schon bei fünf Mandanten ,Whow!' gesagt", versichert die alte und neue Stadträtin Karin Schäfer. "Die Wähler haben unsere kritische Haltung dem Bürgermeister gegenüber honoriert. Sie möchten offensichtlich eine transparente Politik", sagt die Fraktionschefin Rein- alter. "Wir können für uns konstatieren, dass wir auf dem richtigen Weg waren und sind."

Die politische Konkurrenz zieht den Hut. "Ich habe erwartet, dass die Offene Liste zulegt", sagt Josef Kerler von den Freien Wählern, dem der Wiedereinzug in den Gemeinderat verwehrt bleibt. Eine starke Liste habe die OL aufgeboten, und in den zurückliegenden Jahren nicht zu allem Ja gesagt. Was Kerler freilich auch den Seinen attestiert.

Gute Kandidaten, eine konstruktive Politik und "Mut, der Stadtspitze in gewissen Punkten die Stirn zu bieten", bescheinigt Hilmar Kopmann (Freie Wähler) der Offenen Liste. Er erwartet eine spannende Wahlperiode. Seine eigene Fraktion habe sich ebenfalls getraut, "die Dinge auch mal anders als Andere zu sehen" - Stichwort Parkhaus, Stichwort Kleemeisterei. Sie habe nun zwar den Kerler-Sepp verloren, dafür aber zwei Mandate in Baustetten (außer Peter Hertenberger auch Anton Hettich) geholt.

Wir haben unser Ziel, stärkste Fraktion zu sein, erreicht", resümiert der FW-Sprecher Rudolf Pretzel. Gefreut hat ihn auch das gute Abschneiden der Fraktionskollegin Karin Meyer-Barthold, die mit 4815 Stimmen alle anderen Bewerber hinter sich ließ. "Sie ist, was das betrifft, die neue Brigitte", scherzt Pretzel. Die langjährige Stimmenkönigin Brigitte Angele von der CDU war nicht mehr angetreten.

"Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", sagt CDU-Fraktionschef Burkhard Volkholz. Allzu prickelnd sei es für die Christdemokraten nicht. Die Stimmen einer Brigitte Angele und eines Raphael Mangold (zur OL gewechselt) seien nicht ohne Weiteres wettzumachen. Zudem begünstige das neue Auszählverfahren kleine Listen und sei die Abkehr von Parteien ein kommunalpolitischer Trend. Schade findet Volkholz, dass Wilhelm Glocker nicht mehr am Ratstisch mitmischen kann: "Als Ur-Laupheimer verfügt er über viel Hintergrundwissen." Ein Erfolg sei das Mandat in Obersulmetingen für Alfred Brehm.

"Drei starke Frauen" bilden künftig die SPD-Fraktion - "das freut uns", sagt Brigitte Schmidt. Ein Gewinn sei, dass Irmgard Maier es geschafft hat: "Wir finden, dass jede Fraktion einen Architekten braucht, so großen Raum wie das Bauen einnimmt in Laupheim." Auch Schmidt glaubt, dass sich freie Listen leichter tun als Parteien. Bedauerlich findet sie die Wahlbeteiligung von nur 47 Prozent: Für die Gewählten sei dies gleichsam "eine halbe Berufung".

Doppelt berufen wurde eine Arztfamilie aus der Kernstadt. Sowohl Raphael als auch Simona Mangold gehören dem neuen Gemeinderat an, beide für die Offene Liste. " Ich war davon ausgegangen, dass mein Mann die Stimmen kassiert", sagt sie. "Aber eine Bestätigung ist es natürlich schon, und ich mache es gern." Zumal jede Gemeinderatssitzung künftig einen gemeinsamen Abend mit dem Gatten verspricht.


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Ausgabe Laupheim vom 27.5.2014