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Brigitte Angele ist Ehrenbürgerin - 6.10.14

Brigitte Angele ist Ehrenbürgerin ihrer geliebten Stadt
Die engagierte Laupheimerin erntet viel Dank für ihren unermüdlichen sozialen und politischen Einsatz

Laupheim /sz Mehrere hundert Weggefährten haben der neuen Laupheimer Ehrenbürgerin Brigitte Angele am Sonntag im Kulturhaus einen großen Empfang bereitet. „Ich bin ganz gerührt und überwältigt“, sagte sie nach der Ernennung durch Bürgermeister Rainer Kapellen und dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. „Diese Auszeichnung erhalten nur Leute mit einer besonders hohen Vorbildfunktion“, sagte Kapellen. Brigitte Angele ist Laupheims zehnte Ehrenbürgerin innerhalb der vergangenen 100 Jahre.

Wer der Einladung ins Kulturhaus gefolgt war, brauchte Geduld und Stehvermögen. Bis ins Freie führte die Schlange der Menschen, die der langjährigen Kommunalpolitikerin und auch darüber hinaus in vielfältiger Weise engagierten, waschechten Laupheimerin gratulieren wollten. „Unglaublich“, sagte Brigitte Angele immer wieder, als sie Hunderte von Händen mit jener strahlenden Herzlichkeit schüttelte, die sie bei Jung und Alt so beliebt gemacht hat. Neben Freunden, Verwandten und Vereinsvertretern wünschten ihr auch zahlreiche politische Weggefährten alles Gute – darunter der Bundestagsabgeordnete Josef Rief, der Landtagsabgeordnete Peter Schneider, die ehemaligen Abgeordneten Elisabeth Jeggle (Europa), Franz Romer (Bundestag) und Gerd Scheffold (Landtag) sowie viele ehemalige und aktuelle Gemeinderatskollegen.

Immer in Bewegung
So war es kein Wunder, dass die Stadtkapelle den offiziellen Teil erst mit gut 20-minütiger Verspätung eröffnen konnte. Das schwungvolle Stück „Fiesta Cu Tres Banda“ (Party für drei Kapellen) hätte man sich wunderbar als Untermalung für einen Film über das Wirken von Brigitte Angele in Laupheim vorstellen können: immer in Bewegung, auf mehreren Bühnen gleichzeitig. „Es geit nix, wo mei Frau it drbei isch“: Das sei einst der Standardspruch ihres Ehemanns Heinz Angele gewesen, sagte Bürgermeister Kapellen. „Wo soll man anfangen bei einer Frau, die überall anpackt, wo Unterstützung nötig ist?“, fragte sich der Rathauschef in seiner Ansprache.

Er beschrieb Brigitte Angele als ein Laupheimer Urgestein, aufgewachsen in der Wohnung über dem „Storchen“ und später auf dem Rupf-Areal, das sich früh gesellschaftlich und künstlerisch engagierte – zum Beispiel als Plakatzeichnerin während ihrer Lehre, auf der Theaterbühne im Rabensaal oder musikalisch beim Sängerbund. Ihrer sozialen Ader folgend, absolvierte sie bald eine zusätzliche Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin in der Klinik Dietenbronn.

Dass sie sich nach der Geburt ihrer Söhne 1973 aus dem Berufsleben zurückzog, war „wohl ein Glücksfall für Laupheim“, sagte Kapellen. Denn von da an hatte sie erst recht Zeit für ihre vielfältigen Aktivitäten. Die kommunalpolitische Bühne betrat sie 1984 mit dem Gemeinderat und 1989 mit dem Kreistag, wo sie 30 beziehungsweise 25 Jahre aktiv war. Darüber hinaus kümmert sie sich bis heute mit viel Herzblut um Bürger und Vereine, „die keine oder kaum eine Lobby haben“, wie sie immer wieder betont – im Katholischen Frauenbund, Seniorenclub, Kinderschutzbund, im Krankenhaus-Besuchsdienst oder im Gemeindeclub für psychisch Kranke. Seit mehr als 20 Jahren liest sie Märchen in der Stadtbücherei, mehr als 30 Jahre gehört sie schon dem Heimatfestausschuss an und gestaltet alljährlich einen Festwagen, meist mit einem Märchenmotto. „Und es gibt wohl kaum jemanden in der Stadt, der sie nicht schon als Büttenrednerin, als Nikolaus oder als Weihnachtsengel erlebt hat. Zuletzt beim Brunnenfest sah man sie an der Drehorgel“, sagte Kapellen.

Die Einsatzfreunde hat Brigitte Angele offensichtlich geerbt. „Ihre Großmutter Anna Reuß war die erste Frau im Laupheimer Gemeinderat, und 1984 erhielt sie die Bürgermedaille – also in dem Jahr, in dem Brigitte Angele in den Gemeinderat gewählt wurde. Somit schließt sich nun ein Kreis“, erzählte der Bürgermeister. Brigitte Angeles Wirken gar mit der seltenen Ernennung zur Ehrenbürgerin zu würdigen, das habe der Gemeinderat in einer der kürzesten Debatten entschieden.

„Gerührt und überwältigt“
Kapellen überreichte Brigitte Angele die Urkunde und lud sie ein, sich ins Goldene Buch der Stadt einzutragen. „Ich bin ganz gerührt und überwältigt, fast ein wenig beschämt“, sagte die 68-Jährige, „denn ich habe das alles gemacht, weil es mir so recht erschien und Not am Mann – oder besser: der Frau – war.“ Trotzdem habe sie das Lob „ganz gerne gehört“. Sie habe in ihren kühnsten Träumen nicht gedacht, dass sie acht Jahre nach der Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande zur Ehrenbürgerin ihrer geliebten Stadt ernannt und damit auf eine Stufe mit Persönlichkeiten wie Carl Laemmle, Pater Ivo Schaible, Josef Braun, Ernst Schäll oder Ottmar Schick gestellt würde. Sie nehme die Auszeichnung „stellvertretend für alle Damen und Herren an, die sich für unsere liebenswerte Stadt engagieren“.

Merklich gerührt dankte Brigitte Angele ihrem allzu früh verstorbenen Mann und ihren Söhnen, die sie immer unterstützt hätten. Auch dem aus gesundheitlichen Gründen verhinderten Ehrenbürger und Altbürgermeister Ottmar Schick ließ sie ihren Dank für das 20-jährige gemeinsame politische Wirken ausrichten.

Stichwort Dank: Als sie vor 30 Jahren in den Gemeinderat gewählt worden sei, habe ihr Oskar Schenk bei einer Klausurtagung am Bodensee gesagt: „Liebe Frau Angele, egal was sie machen, man wird es Ihnen nicht danken.“ Diese Prophezeihung sei nun widerlegt – mit „dem schönsten Erntedankfest, das ich je erlebt habe“.

Bürgermeister Rainer Kapellen überreichte Brigitte Angele die Ernennungsurkunde, danach trug sie sich in das Goldene Buch der Stadt ein. (Foto: Reiner Schick)


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Ausgabe Laupheim vom 6.10.2014